ror wolf // alles andre: ungewiß

Alles andre: ungewiß

Abends sah ich einen Hut
und die Atemstöße wehen,
rauchend schwarz, beim Weitergehen
kam etwas aus meinem Mund,
wie im Schlaf, ganz weich und rund
ausgeblasen, kurz und gut.

Auch ein Rascheln in den Taschen,
von Papier, vielleicht von oben
abgerissen hochgeschoben.
Das ist jetzt das letzte Loch,
doch ich lebe immer noch,
nur die Welt ist weggewaschen.

Und der harte Himmel biß
mir den Kopf ab und die bleichen
Hände Füße und dergleichen
Ohren ab und ich verschwand
rauchend in der Zimmerwand.
Alles andre: ungewiß.


ror wolf »alles andre: ungewiß«, herausgegeben von michael lentz, frankfurt am main 2020
© schöffling & co. verlagsbuchhandlung gmbh
bild: © ror wolf



der schauspieler klaus köhler liest das gedicht im rahmen der »lesung zum ersten todestag von ror wolf« des staatstheaters mainz vom 17. februar 2021 ab minute 37:55.


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